| KULTUR: Freilichtspiele Altusried 2002 - Ein Rückblick |
15. Juni - |
"Wilhelm Tell" - Neuinszenierung der Allgäuer Freilichtbühne Altusried Schon im Jahr der Uraufführung, 1804, war Schillers "Wilhelm Tell" ein grandioser Erfolg und noch immer zählt er zu den klassischen Repertoire-Stücken in aller Welt. Die Menschen- und Freiheitsrechte wurden vom Dichter auf solch beeindruckende Weise darin veranschaulicht, dass sich die Zeitgenossen seinem gedanklichen Begeisterungsausflug kaum entziehen konnten. Aber auch der heutige Zuschauer spürt noch ganz deutlich den authentischen Geist dieser demokratischen Aufbruchstimmung des früheren 19. Jahrhunderts und lässt sich davon packen. Dass sich das Publikum auch im Jahre 2002 von diesem großen Werk fesseln, sich gedanklich und emotional berühren lässt, davon waren die etwa 500 Altusrieder Akteure zu jeder Zeit überzeugt. Der Erfolg gab ihnen Recht. Das zeigen die überaus positiven Zuschauerreaktionen und die zahlreichen begeisterten Zuschriften. Bereits im Jahre 1802 hatte Schiller den Plan zum "Tell" gefasst und genau 200 Jahre später startete die Marktgemeinde Altusried also ihre Neuinszenierung und warf dazu ihre profunden Erfahrungen in Sachen Freilichtspiel und Theater sowie ihr hohes spielerisches Engagement und Vermögen in die Waagschale. |
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Die Inspiration holten sich die Altusrieder beim Dichter selbst, über dessen Arbeitsweise am "Tell" Goethe bewundernd schreibt: "Schiller fing damit an, alle Wände seines Zimmers mit so viel Spezialkarten der Schweiz zu bekleben, als er auftreiben konnte. Nun las er Schweizer Reisebeschreibungen, bis er mit Weg und Stegen des Schauplatzes des Schweizer Aufstandes auf das Genauste bekannt war. Nachdem er alles Material zusammen gebracht hatte, setzte er sich über die Arbeit, und buchstäblich genommen, stand er nicht eher vom Platze auf, bis der "Tell" fertig war. Überfiel ihn die Müdigkeit, so legte er den Kopf auf den Arm und schlief. Sobald er erwachte, ließ er sich nicht, wie fälschlich nachgesagt worden ist, Champagner, sondern starken schwarzen Kaffee bringen, um sich munter zu halten. So wurde der "Tell" in sechs Wochen fertig; er ist aber auch wie aus einem Guss." Dass die Neuinszenierung mit so vielen Beteiligten "in sechs Wochen fertig ist", konnte nicht im Interesse der Altusrieder sein, aber dass sie "wie aus einem Guss..." wird, war ein erstrebenswertes Ziel. Und es wurde erreicht. Regie, Bühnen- und Kostümbild, die Neu-Komposition der Bühnenmusik und das szenische Spiel der 500 Darsteller zauberten zusammen für ihr Publikum einen spannenden Freilicht-Theaterabend, der die Streitfrage der Gelehrten, ob Wilhelm Tell nun wirklich gelebt hat, oder ob seine Gestalt "nur" der Sage und dem Mythos zuzuordnen ist, vergessen machte. (Jan Burdinski, Regisseur) |
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Fotoalbum der Freilichtspiele 2002Wer besonders schöne Aufnahmen im Zusammenhang mit den Freilichtspielen gemacht hat und diese Fotos der Gemeinde für eine Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung stellen möchte, kann diese an webmaster@altusried.de schicken. Wir werden diese dann gegebenfalls auf dieser Seite mit dem Namen des Fotografen veröffentlichen.
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Fotos von den Freilichtspielen 2002
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Wir bedanken uns bei Herrn Michael Pilling für die folgenden Fotos:
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Fotos vom Festumzug (Sonntag, 16. Juni 2002)

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Zur Entstehung des »Tell«
Angeregt durch Goethe, der von seiner Schweizer Reise den Plan zu einem Tell-Epos mitgebracht hatte, begann sich auch Friedrich Schiller seit 1802 für diesen Stoff zu erwärmen. Am 25. August 1803 begann er mit der Arbeit am »Tell«, von dem er sagte: »Es ist ein Stoff, der mich bald anzieht, bald abstößt«.
Am 12. September 1803 schrieb er an seinen Freund Körner: »Wenn mir die Götter günstig sind, das auszuführen, was ich im Kopf habe, so soll es ein mächtiges Ding werden, und die Bühnen von Deutschland erschüttern.« Mit rastlosem Eifer, in größerem Umfang und mit größerer Umsicht als bei irgend einem seiner früheren Werke, betrieb Schiller seine Vorstudien.
Wie er dabei vorging, beschrieb Goethe sehr eindrücklich: »Er fing damit an, alle Wände seines Zimmers mit so viel Spezialkarten der Schweiz zu bekleben, wie er nur auftreiben konnte. Dann las er Schweizer Reisebeschreibungen, bis er mit Wegen und Stegen des Schauplatzes des Schweizer Aufstandes auf das Genaueste vertraut war. Dabei studierte er die Geschichte der Schweiz, und nachdem er alles Material zusammengebracht hatte, setzte er sich endlich über die Arbeit und buchstäblich genommen er stand nicht eher von seinem Platze auf, bis er den »Tell« beendet hatte.
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Überfiel ihn die Müdigkeit, legte er den Kopf auf den Arm und schlief ein, und sobald er wieder erwachte, ließ er sich nicht, wie ihm fälschlich nachgesagt worden ist, Champagner, sondern starken schwarzen Kaffee bringen, um sich munter zu halten. So wurde der »Tell« in sechs Wochen fertig; er ist aber auch wie aus einem Guss!« Der berühmte Schauspieldirektor August Wilhelm Iffland (1759-1814) schrieb an Schiller: »Ich habe Ihren »Tell« gelesen, verschlungen, meine Knie gebeugt, und mein Herz, meine Tränen, mein jagendes Blut hat Ihrem Geiste, Ihrem Herzen mit Entzücken gehuldigt. Ich reiche Hand und Herz Ihrem Genius. Welch ein Werk! Welche Fülle, Kraft, Blüte, Allgewalt! Gott erhalte Sie, Amen!« Am 17. März 1804 wurde der »Tell« in Weimar uraufgeführt. Schon um drei Uhr nachmittags drängten sich die Menschen auf den Theaterplatz. Der Erfolg übertraf den der vorausgegangenen Schiller'schen Dramen noch um ein Bedeutendes. Nur über die Länge des Stückes, das fünf volle Stunden gespielt hatte, war der Dichter beunruhigt. Doch das soll für die Altusrieder kein Grund zur Sorge sein: Wir haben das Stück um die Hälfte gekürzt! Jan Burdinski, Regisseur |
Freiheitskampf in der Schweiz - Der geschichtliche Hintergrund des "Tell"
Die historische Zeit, in der Wilhelm Teil gelebt und gewirkt hat, ist nicht exakt feststellbar. Die Geschichtswissenschaft geht heute vielmehr davon aus, dass es einen Wilhelm Tell, so wie er in der Schweizer Überlieferung sich findet und wie ihn Schiller in seinem Drama vorstellt, nie gegeben hat. Dennoch sind die Ereignisse, um die es im "Wilhelm Tell" geht, historisch gesichert, nämlich: Die Gründung der Eidgenossenschaft und - im Zusammenhang damit - der Kampf um die Unabhängigkeit der Innerschweiz (mit den Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden) gegen die Bestrebungen der Habsburger, sich dieses Gebietes zu bemächtigen.
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Was weckte die Begehrlichkeiten umliegender Territorialfürsten an dieser alpenländischen Region? Die Antwort ist einfach: Um das Jahr 1200 wurde die Schöllenenschlucht geöffnet und der Gotthard damit zu einem wichtigen Nord-Süd-Transitweg. Es ging also um die Beherrschung der Verkehrswege und die damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteile. Die mächtigen Adelshäuser, das Herzogtum Habsburg/Österreich und auch die Grafschaft Savoyen, hatten erhebliches Interesse daran, die betreffenden Regionen in fürstliche Territorien umzuwandeln. Gegen dieses Ansinnen wehrten sich die Bürger und Bauern zusammen mit dem Kleinadel jener Gebiete, indem sie sich vom jeweiligen Reichsoberhaupt, also dem Kaiser bzw. König, "Reichsfreiheit" zusichern und bestätigen ließen: |
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In den Jahren 1273-1291 und zwischen 1298-1308 kam das Reichsoberhaupt jedoch aus dem Fürstenhaus der Habsburger. Diese Könige, Rudolf I. und Albrecht I. von Habsburg, fühlten sich an die alten "Kaiserbriefe" nicht mehr gebunden und betrieben eine Hausmachtpolitik ganz im Interesse der Habsburger. Sie setzten im Gebiet von Uri, Schwyz und Unterwalden habsburgische Landvögte als oberste Gerichtsherren ein, um sich die Region um den Vierwaldstättersee gefügig zu machen. Durch diese Entwicklung musste es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Landleuten und den österreichischen ,Besatzern kommen. Davon handelt Schillers "Wilhelm Tell".
Während die historische Forschung die Ereignisse, die in Schillers Schauspiel dargestellt werden, in die Zeit um 1291 ("Ewiger Bund" zwischen den drei Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden) legt, hat der Schweizer Geschichtsschreiber Aegidius Tschudi im 16. Jahrhundert - Sage und historische Fakten miteinander verknüpfend - das Geschehen um Wilhelm Tell in die Zeit zwischen 1304 und 1308 verlegt. An Tschudis "Schweizer Chronik" orientierte sich Friedrich Schiller hauptsächlich und dementsprechend hat man sich den zeitlichen Ablauf so vorzustellen:
Bis hierhin also die Daten, welche den "Wilhelm Tell" betreffen und wie sie in der "Schweizer "Chronik" von Tschudi wiedergegeben sind. Die weitere - historisch gesicherte - Entwicklung bis zur politischen Unabhängigkeit der Schweiz verlief folgendermaßen:
(Jan Burdinski und Michael Ramjoué)
Pressestimmen und andere Reaktionen zur Aufführung
Schwäbische Zeitung, Leutkirch, Nr. 140, vom 19. Juni 2002
»Teil« als volksnaher Freilicht-Klassiker.
Lebendige und stimmungsvolle Bilder sowie beachtliche Leistungen der Darsteller kennzeichnen die Neuinszenierung von Schillers Schauspiel »Wilhelm Tell«, das die Allgäuer Freilichtspiele Altusried in diesem Sommer auf ihrem Spielplan haben. Die ersten Aufführungen wurden mit begeistertem Applaus honoriert.
Da alle Sprechrollen doppelt besetzt sind, gab es gleich zwei Premieren: Während ein Team die offizielle Premiere am Samstag bestritt, ging die erste öffentliche Aufführung der anderen Mannschaft bereits am Mittwoch über die Bühne. Etwa 800 Schüler erlebten eine lebendige Umsetzung des klassischen Textes, der immer noch zur Pflichtlektüre der Mittelstufe zählt. Das junge Publikum honorierte das dreistündige Spiel mit häufigem Szenen- und langem Schlussapplaus.
Mit einer Schar erstaunlich guter Amateurschauspieler sowie etwa 500 Komparsen, Reitern, Musikern und Sängern hat Regisseur Jan Burdinski aus Schillers Freiheitsdrama ein Theaterstück gemacht, das alle Sinne anspricht. Wie ein Gemälde wirkt das großflächige, perfekt ausgeleuchtete Gelände mit professionell gestaltetem dezenten Bühnenbild (Hanns Schuschnig). Dieser idyllische Spielraum wird belebt von mittelalterlich gekleidetem Fuß- und Reitervolk: Zur Einstimmung etwa das harmonisch-beschauliche Landleben mit Alphornbläsern, spielenden Kindern, emsig schaffenden Bäuerinnen, mit Heuwagen, Kühen, Ziegen und Berner Sennhund. Doch die Idylle trügt, ein Unwetter zieht herauf - auch politisch: Die Freiheit der Landleute von Uri, Schwyz und Unterwalden ist bedroht durch Tyrannei. Widerstand gegen Macht und Willkür regt sich. Auf dem Rütli gründen Vertreter der drei Kantone das »einig von Volk von Brüdern« und planen den Aufstand gegen die Habsburger. Wie in einem Brennglas wird der Konflikt zwischen Adel und freien Bauern in der Auseinandersetzung zwischen Teil und dem Landvogt von Uri, Hermann Geßler, gezeigt. Von Geßler gezwungen, schießt Tell mit derArmbrust einen Apfel vom Kopf seines Sohnes. In der »hohlen Gasse« zu Küssnacht schließlich trifft ein tödlicher Pfeil aus Teils Armbrust den verhassten Landvogt. Durch dieses Fanal wird letztendlich die Freiheit gewonnen. Dazwischen gibt es viel zu schauen, zu lauschen und zu staunen: atemberaubenden Reiterszenen, eine prächtige Jagdgesellschaft, einer Fülle bunter Alltagsbilder. Wirkungsvoll unterstreicht die neu komponierte Musik (Dietrich Stern) die Stimmung, Chor und Solisten beleben das Spiel.
Michael Aicher verkörpert einen besonnenen Wilhelm Teil, der am liebsten seiner eigenen Wege geht, aber durch menschenverachtendes Machtgehabe zum Tyrannen-Mörder wird. Buchstäblich auf dem hohen Ross sitzt Erich Schöllhorn als arroganter Machtmensch Geßler. Er baut aggressive Spannung auf und zieht fast sichtbar den Hass auf sich. Florian Kohler spielt anrührend Teils Sohn Walter, der seinen Kopf für den Apfelschuss hinhalten muss. Diese emotional hoch aufgeladene Szene hätte allerdings noch mehr dramaturgische Sorgfalt verdient und auch der Rütlischwur hätte mehr Pathos vertragen. Zudem müsste die Tontechnik vor allem in solch entscheidenden Szenen für bessere Verständlichkeit sorgen. Insgesamt aber ist die Inszenierung volksnahes klassiches Theater im besten Sinne. »Der Starke ist am mächtigsten allein«. Die Altusrieder verkehren diesen Satz Wilhelm Teils ins Gegenteil: Gemeinsam sind sie stark und bewältigen souverän das Festspiel-Projekt.
Rita Winter
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Der Schweizer Generalkonsul, Alphons N. Müggler, übersandte dem Markt Altusried, mit seiner Freilichtspielgemeinschaft, folgenden Brief:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Herr Kammel! Spätestens seit dem vergangenen Samstag sind nicht nur Sie und der Markt Altusried, sondern mit Ihnen die großartige Einwohnerschaft und die Allgäuer Freilichtspiele 2002 für meine Frau und mich zu einem bleibenden Begriff geworden. Sie alle haben uns eine überwältigende Aufnahme und Gastfreundschaft gewährt: angefangen bei der Begrüßung auf dem Marktplatz und dem Pressegespräch im Rathaus, über Ihren Empfang und die große Ehre des Eintrages in das Goldene Buch, bis hin zu dem Festakt auf dem Rathausplatz, der Begrüßung des Festzuges und der einmaligen Fahrt mit der Kutsche in Begleitung des sympathischen Herrn Bundesministers a. D. Ignaz Kiechle. Und dann die wunderschöne, ergreifende Szenerie auf dem Spielgelände, beherrscht von der architektonisch einmaligen Tribüne in Holzkonstruktion, die ganz ideal in die Naturbühne übergeht. Dass ich vor der eindrücklichen Kulisse die diesjährigen Freilichtspiele eröffnen durfte, betrachte ich als besondere Geste, die mir unvergessen bleiben wird.
Meine Frau und ich sind gerührt und dankbar, Ihnen, lieber Herr Kammel, allen Mitwirkenden und Ihrer ganzen Ortsgemeinschaft gilt unsere große Bewunderung. Möge die Festspielzeit im Zeichen von Schillers »Wilhelm Tell« Ihnen allen viel Freude und begeisterte Zuschauer bescheren.
Mit herzlichen Grüßen an Sie u. Ihre Familie: Alphons N. Müggler
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