Altusried

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Seit rund 135 Jahren werden in Altusried Freilichtspiele aufgeführt. Im Laufe der Jahrzehnte haben die Festspiele in hohem Maße an Popularität gewonnen und sind seit langem weit über das Allgäu hinaus bekannt und geschätzt. Den Altusriedern haben sie den Ruf eingebracht, ein wenig "theaterverrückt" zu sein und dieser Schluss liegt nahe, wenn man die Begeisterung und das Engagement sieht, die sie für "ihre Spiele" immer wieder aufs Neue aufbringen.

Die Freilichtspiel-Helden: Wilhelm Tell, Götz von Berlichingen, der Bayerische Hiasl, Andreas Hofer, Knopf von Leubas

Freilichtspiele Altusried: Freiheitskampf als Tradition

Das Thema "Freiheitskampf" zieht sich wie ein roter Faden quer durch alle Aufführungen auf der Freilichtbühne und darauf wurde auch Wert gelegt, wenn neue Stücke ins Repertoire aufgenommen wurden. 

Kein Wunder, ist der Wunsch nach Selbstbestimmung und der Widerstand gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit doch auf die ein oder andere Weise heute noch so aktuell wie in den vergangenen 135 Jahren und so hat auch das Motto "Freiheit", das auf den Fahnen der Altusrieder Helden geschrieben steht, seinen Anteil am Erfolg und der Beliebtheit der Freilichtspiele.

Andreas Hofer 1995

Durchbruch mit "Andreas Hofer"

Der Durchbruch als anerkannte Freilichtbühne gelingt den Altusriedern mit einem besonderen Stück, das sie bis heute nicht mehr losgelassen hat. 1911 machen sich sage und schreibe 500 Gemeindemitglieder daran, mit "Andreas Hofer" in seinen Kampf gegen Unterdrückung und Willkürherrschaft zu ziehen. 1931 und 1933 sind die Hoferspiele beliebte kulturelle Ereignisse mit Volksfest-Charakter.

Allein im Jahr 1911 besuchen 12.000 Gäste den Spielplatz der sich jetzt auf der "Höllwiesen" im Koppachtal befindet. Die Aufführungen kosten damals noch zwischen 1,- und 3,- Mark Eintritt. Dafür gibt es für die Zuschauer aber auch noch keine Tribüne: sie sitzen auf den Hängen um die Bühne herum und sind somit mitten im Geschehen. Besonders opulent sind die Schlachten ausgestattet. Vier Tonnen Pulver werden pro Spielzeit verfeuert. Besonders groß war der Zuschauerandrang im Jahr 1933, als das Gerücht ging, Reichskanzler Adolf Hitler werde dem Spiel beiwohnen. Es blieb beim Gerücht.

Andreas Hofer 1959
"Andreas Hofer" 1959
"Wilhelm Tell" 1970
"Wilhelm Tell" 1970

 

Chronik

Altusried ist untrennbar mit den Freilichtspielen verbunden. In unserer Chronik finden Sie Informationen und Anekdoten zu allen Stücken, die jemals aufgeführt wurden.

Texte: Volker Klüpfel / Markt Altusried

1879 "Der bayerische Hiasl"

Schon die Vorfahren der heutigen Altusrieder haben leidenschaftlich gerne Theater gespielt, zunächst in Wirtshaussälen, gegen Ende des vorherigen Jahrhunderts auch im Freien.

Die Aufführungen der Geschichte des Wilderers Matthias Klostermaier, des "Bayerischen Hiasl" im Jahr 1879, die 9000 Besucher nach Altusried locken, ist laut mündlicher Überlieferung das erste Freilichtspiel und begründet damit eine Tradition, die bis heute anhält. Die Wiege des Freilichtspiels lag dabei nicht in dem heute bekannten Gelände, sondern auf der "Josephshöhe".

1900 "Der bayerische Hiasl"

Spielleiter: Dr. Franz Xaver Eberler

Schauplatz auf der Josefshöhe.

1911 "Andreas Hofer"

Spielleiter: Dr. Franz Xaver Eberler

Schauplatz auf den "Höllwiesen" im Koppachtal.

1931 "Andreas Hofer"

Spielleiter: Dr. Franz Xaver Eberler

Der Reinerlös finanziert das Kriegerdenkmal.

1933 "Andreas Hofer"

Wiederholung des Hoferspieles.

Die Aufführungen wurden in die Sommermonate verlegt.

1949 "Götz von Berlichingen"

Spielleiter: Dr. Otto Eberler
82.000 Besucher (Zuschauerrekord)

Der Zweite Weltkrieg legt auch in Altusried das öffentliche Leben weitgehend lahm und so senkt sich auf der Freilichtbühne bis auf weiteres der letzte Vorhang. Zwei Theaterbesessene, der Gastwirt und Metzgermeister Clemens Klüpfel und Rechtsanwalt Dr. Otto Eberler, sind jedoch fest entschlossen, diese Altusrieder Tradition wieder aufleben zu lassen. 1949 ist es dann soweit: Dank ihres Engagements und der Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Georg Krug wird wieder gespielt.

"Götz von Berlichingen" steht anlässlich des 200. Geburtstages Goethes auf dem Programm. Das Jubiläum ist aber nicht der einzige Grund der für dieses Stück spricht. Man braucht vor allem eines ohne große Schlachtszenen, nachdem die Alliierten Kanonen und Gewehre verboten haben.

Sogar ein Nachkomme des Urgötz lässt es sich nicht nehmen, einen wichtigen Teil seiner Familiengeschichte in Altusried zu sehen.

Gespielt wird vom 28. August bis Ende September mit überwältigendem Erfolg: 82 000 Zuschauer aus ganz Süddeutschland bestaunen in elf Aufführungen die grandiose Kulisse der "Höllenwiesen", auf der 400 Mitwirkende, darunter 80 Reiter, das Goethe-Drama lebendig werden lassen.

1952 "Wilhelm Tell"

Spielleiter: Josef Zimmermann
Spielort: Naturbühne am Riedbach, überdachte Tribüne.

Ganz der inzwischen schon 75 Jahre alten Tradition folgend, nehmen sich die Altusrieder auch im Spieljahr 1952 wieder die Geschichte eines Helden vor, der sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, um für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Sein Name diesmal: Wilhelm Tell. Der "Tell"  wird damit zum dritten Kernstück des Altusrieder Spielplans und außerdem zu einem besonderen Favoriten der Marktgemeinde. Der Reiz, der von dem Schweizer ausgeht, rührt möglicherweise daher, dass Tell der einzige der Altusrieder Helden ist, der seinen Kampf überlebt.

Und noch eine Besonderheit verbindet sich mit diesem Spiel: "Wilhelm Tell" ist das erste Stück, das auf der von Tell-Darsteller Clemens Klüpfel neuentdeckten Naturbühne am Riedbach gespielt wird - bis heute die großartige Kulisse für alle weiteren Freilichtspiele.

Trotz guter Vorzeichen – Happyend und neue Bühne – stehen die Aufführungen 1952 unter keinem guten Stern. Etliche Vorstellungen fallen dem total verregneten Sommer zum Opfer. Und dann wird einer der Darsteller auch noch vom Pfeil Tells beim Apfelschuss verletzt – denn 1952/54 wird noch scharf geschossen!

1954 "Wilhelm Tell"

Der verregnete Sommer 1952 reißt wegen geringer Zuschauerzahlen bei den Freilichtspielen ein großes Loch in die Gemeindekasse. Da liegt die Entscheidung nahe, das Tell-Stück noch einmal aufzuführen. Denn die gleiche Rollenbesetzung, bereits geschneiderte und angepasste Kostüme sowie die vorhandenen Kulissen halten den Aufwand in Grenzen.

Und man hofft nicht zu Unrecht – sollte diesmal das Wetter mitspielen – auf großen Zuschauerandrang. Denn die Resonanz auf die letzte Inszenierung war durchweg positiv. So schrieb beispielsweise die Süddeutsche Zeitung: "Das ist die Besonderheit des Altusrieder Spiels, es wird den Darstellern so zur Wirklichkeit, dass einzelne Szenen, wie die des Apfelschusses und des Todes Geßlers, echte Tränen und zornige Erregung auslösen".

Und die Schwäbische Landeszeitung konnte sich der Zustimmung der Altusrieder gewiss sein, als sie in einem Titel den Gemeinschaftsaspekt der Freilichtspiele betonte: "Soll man einzelne Namen nennen, lobend oder kritisierend, hier, wo die Gemeinschaft triumphiert? Es wäre müßig, denn in ihrer Gesamtheit erreichen die Altusrieder Tellspieler das Herz des Volkes".

1959 "Andreas Hofer"

Spielleiter: Josef Zimmermann, Neuinszenierung mit neuer Textvorlage.

Mit dem "Tell", dem "Götz" und dem "Hofer" hatten die Altusrieder "ihre" drei Helden gefunden, deren Leben sie nun abwechselnd auf die Freilichtbühne bringen. Im Sommer 1959 ist anlässlich des 150. Todestages des Tiroler Freiheitskämpfers zum dritten Mal "Andreas Hofer", der für seine Verbündeten jeweils an Sonn- und Feiertagen sein Leben lässt.

Dabei verlassen sich die Altusrieder nicht auf bisher erfolgreiche Inszenierungen. Regisseur Josef Zimmermann sucht sich den Text von Alois J. Lippl aus, und schneidet ihn auf die Altusrieder Verhältnisse zu. Das Engagement zahlt sich aus. 100 000 Zuschauer wollen die Geschichte um Hofer und Napoleon, Freiheitsdrang und Verrat auf der Altusrieder Naturbühne sehen – ein bisher unerreichter Zuschauerrekord. Der Ruf der Altusrieder Freilichtspiele dringt dabei bis über die Landesgrenzen nach Tirol, von wo sogar Dankesbriefe der Regierung eintreffen.

Und auch ihr Improvisationtalent könne die Freilichtspieler, die zu diesem Zeitpunkt ja immerhin schon auf eine 80-jährige Tradition zurückblicken, unter Beweis stellen. Denn nachdem Napoleon und Scheurer, der Schmied, erkranken, springen Schauspieler ein – ohne dass die Zuschauer etwas merken.

1964 "Götz von Berlichingen"

Spielleiter: Josef Zimmermann, erstmals auch Nachtaufführungen.

400 Mitspieler machen sich im Sommer 1964 daran, den 1949 schon einmal so erfolgreichen aufgeführten "Götz von Berlichingen" neu zu inszenieren. Nicht nur die moderne Inszenierung und die aufwendigen Bühnenbauten ziehen die Zuschauer diesmal in ihren Bann. Zum ersten Mal finden an den Spiel-Samstagen auch Nachtaufführungen statt. Sie stoßen auf so große Begeisterung bei den Zuschauern, dass sie zum festen Bestandteil der Freilichtspiele werden.

Der Götz-Darsteller Otto Bertele (Gruppenbild Mitte) weiß zu dieser Zeit noch nicht, dass er 27 Jahre später noch einmal "Eiserne Faust" anlegen und die Hauptfigur in Goethes Drama spielen wird.

Die Altusrieder spielen bei ihren Aufführungen nicht nur für die Zuschauer, sondern auch immer ein bisschen für sich selbst. Deshalb darf der Spaß trotz allem Perfektionismus nicht zu kurz kommen. So durchlebt Weislingen-Darsteller Hans Sitka (oben links) einmal eine Aufführung unter Hochspannung – seine Schauspielerkollegen hatten ihm nämlich Rizinus in einen Krug gefüllt, den er auf der Bühne leeren musste.

1970 "Wilhelm Tell"

Spielleiter: Josef Zimmermann.

Zum zweiten Mal inszeniert Josef Zimmermann 1970 den "Tell". Wieder stehen 400 Mitwirkende auf der Freilichtbühne, um das volkstümlichste aller Schiller-Stücke lebendig werden zu lassen. Für Zimmermann ist es die sechste Regiearbeit für die Freilichtspiele, nachdem er bereits 1949 als Assistent von Dr. Otto Eberler sein Debüt gab.

Der Altusrieder Bürgermeister wird für diese Inszenierung zum Edelmann: Für zwei Sommermonate vertauscht Georg Krug das Rathaus mit dem Landsitz des Freiherrn von Attinghausen, dessen Rolle er übernimmt. Das bedeutet natürlich auch, dass er nun den Späßen seiner Mitspieler hilflos ausgeliefert ist. Denn ist man erst einmal auf der Bühne, heißt es Fassung bewahren, egal was passiert. Und die Altusrieder lassen es sich natürlich nicht nehmen, ihrem Bürgermeister ein paar Streiche zu spielen. So platzieren sie in mehreren verregneten Aufführungen den Stuhl für Attinghausens Sterbeszene genau unter einem Rinnsal, das von der Dachrinne herabkommt. Krug macht während der ganzen Szene keinen Muckser, obwohl ihm das Wasser unentwegt genau auf den Kopf plätschert – schließlich ist er ja tot.

1977 "Andreas Hofer"

Spielleiter: Josef Zimmermann.

Wegen der Gemeindegebietsreform lassen die nächsten Spiele ein wenig länger auf sich warten. 1977 ist dann wieder ein Freilichtspieljahr und auf dem Programm steht, nachdem die letzten beiden Male "Götz" und "Tell" an der Reihe waren, fast zwangsläufig "Andreas Hofer". Es ist das fünfte Mal, dass Altusried sich der Geschichte des Tiroler Freiheitskampfes widmet. Außerdem feiert die Marktgemeinde in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: 100 Jahre Freilichtspiele.

Zum ersten Mal werden jetzt auch am Freitagabend Nachtspiele eingeplant – die Zuschauernachfrage kann anders nicht mehr befriedigt werden. Und zum letzten Mal inszeniert Josef Zimmermann auf der Bühne am Riedbach die Freilichtspiele – mit sechs Inszenierungen ist er damit bisher ungeschlagener "Regie-Rekordhalter".

Dass es den Altusriedern wieder einmal gelingt, die Zuschauer in eine andere Welt zu entführen, erfährt Edmund Baur am eigenen Leib. Er stellt den Hofer-Verräter "Raffl" so überzeugend dar, dass manche Zuschauer Privatmann und Rolle verwechseln. Das Ergebnis: Nach dem Spiel, auf dem Rückweg in den Ort, wird er wegen seiner "Gemeinheiten", die schließlich zu Hofers Tod führen, von Zuschauern bespuckt.

1982 "Wilhelm Tell"

Spielleiter: Hanns Schuschnig.
Schirmherr: Ministerpräsident Franz Josef Strauß.

Das Freilichtspieljahr 1982 bringt den Altusriedern nicht nur wieder den "Tell", sondern auch einen neuen Regisseur: Der Theaterprofi Hanns Schuschnig übernimmt zum ersten Mal die Inszenierung der Freilichtspiele. Seine erste neue Maßnahme: Alle Sprechrollen werden doppelt besetzt, die Rolle der beiden Tell-Knaben teilen sich gar fünf Schüler untereinander auf.

Zum ersten Mal kommt bei diesem Spiel auch "Engelbert" zum Einsatz. Er übernimmt seitdem bei allen Spielen die gefährlichsten Stunts: Er springt furchtlos von Hausdächern oder stürzt sich im Kampf unerschrocken von Schlosstürmen hinunter. Ach ja – Engelbert ist eine lebensgroße Puppe und wurde zu so etwas wie dem Maskottchen der Freilichtspiele.

Dramatische Szenen spielen sich bei der Premiere ab. Den angekündigten Besuch des Schirmherrn der Freilichtspiele, des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Franz Josef Strauß, nutzen einige Demonstranten, um ihrer Kritik an dem Politiker Luft zu machen. Sie verhängen die Berge hinter der "Tell-Hütte" mit einem Transparent auf dem steht: "Früher hießen sie Geßler, heute Strauß". Die zahlreichen Sicherheitsbeamten, die den Ministerpräsidenten begleiteten, preschen sofort im Laufschritt los. Die Demonstranten erwischen sie dennoch nicht.

1986 "Bauernkrieg"

Spielleiter: Hanns Schuschnig.
Schirmherr: Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ignaz Kiechle.

Neue Wege beschreiten die Altusrieder mit dem Freilichtspiel 1986. Zu dem Repertoire von bisher drei Stücken gesellt sich ein viertes hinzu. Der Titel: "Anno 1525 – Bauernkrieg im Allgäu". Nicht nur die Tatsache, dass es einen wichtigen Aspekt der Geschichte des Allgäus und damit auch Altusrieds behandelt, macht es zu etwas Besonderem. Das Stück wurde auch extra für Altusried geschrieben und beschert den Freilichtspielen damit die erste Uraufführung.

Über 50.000 Besucher wollen dieses Stück auf der Altusrieder Freilichtbühne sehen; wegen der großen Nachfrage müssen Zusatzvorführungen eingeschoben werden. Dabei verschonen die Altusrieder ihr Publikum auch nicht mit drastischen Bildern, um die Brutalität dieser Zeitspanne deutlich zu machen: Vor den Augen der Zuschauer wird ein Aufrührer (der Schauspieler ist natürlich bestens abgesichert) am Galgen gehenkt.

In der Kritik der Allgäuer Zeitung wird soviel Aufwand und Detailgenauigkeit denn auch belohnt. So steht unter anderem zu lesen: "An der Kostüm- und Requisitenfülle könnte sich so manches Berufstheater ein Beispiel nehmen. Mehr ist jedenfalls nicht denkbar."

1991 "Götz von Berlichingen"

Spielleiter: Hanns Schuschnig.
Schirmherr: Bundesminister für Finanzen Dr. Theo Waigel.

Nach 27 Jahren ist es im Sommer 1991 wieder soweit. Der "Götz von Berlichingen" steht erneut und damit zum dritten Mal auf dem Programm der Freilichtbühne. Und wie 1964 ist es Otto Bertele, der die wohl berühmteste Beleidigung der deutschen Literaturgeschichte aus vollem Herzen in den Altusrieder Himmel rufen darf. Auch andere Mitspieler haben nach langen Pausen wieder die gleiche Rolle übernommen. Helmut Klaffke beispielsweise verleiht dem Reichvogt Geßler 1952, 1954 und 1970 dämonische Züge. Dieter Klüpfel überzeugt 1970 und 1982 als Mechtal. Unangefochtener "Rekordhalter" ist jedoch Edmund Baur. Er verkörpert den Hofer-Verräter "Raffl" so eindringlich, dass er gleichsam auf die Rolle abonniert ist. Er spielt ihn 1959, 1977 und 1995, das letzte Mal also 36 Jahre nach seinem ersten Auftritt.

Wie viel Spaß das Freilichtspiel den Mitspielern nicht nur auf, sondern vor allem auch hinter der Bühne macht, kann man besonders deutlich an einer Szene sehen - oder vielmehr nicht sehen. Denn vom bunten Treiben hinter den Kulissen wird eine Darstellerin derart abgelenkt, dass sie ihren Auftritt vergisst - eine ganze Szene entfällt.

1995 "Andreas Hofer"

Spielleiter: Hanns Schuschnig.
Schirmherr: Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber.

Der "Andreas Hofer", das meist gespielte Stück auf der Freilichtbühne Altusried, ist das letzte Freilichtspiel auf der alten Bühne am Riedbach. Zwar wird der Ort auch in den nächsten Freilichtspielen der gleiche bleiben; jedoch mit gewaltigen Veränderungen: Eine permanente Tribüne wird nun nicht mehr 2000, sondern 2500 Zuschauern Platz bieten. Das Spielfeld wird etwas gedreht, so dass ein besserer Schallschutz gewährleistet ist. Damit ist die Freilichtbühne für das nächste Jahrtausend gerüstet.

Das 95er – Stück wird von Regisseur Hanns Schuschnig überarbeitet, um eine zeitgemäße Inszenierung zu ermöglichen. Die Mühe lohnt sich: rund 65 000 Besucher statten dem Hofer-Spiel 1995 einen Besuch ab, darunter auch der Schirmherr, Minipräsident Dr. Edmund Stoiber.

Obwohl die Sicherheit bei den Aufführungen immer groß geschrieben wird, passiert hin und wieder doch das eine oder andere Missgeschick. So wird es für den Hofer-Darsteller Wolfgang Hutter ausgerechnet in der Hinrichtungsszene wirklich brenzlig. Denn ein Stein, der sich in den Gewehrlauf eines Soldaten verirrt hat, verletzt ihn am Bein. Nur gut, dass auch für die Darsteller des Erschießungskommandos der letzte Satz Hofers gilt: "Ach wie schießt Ihr schlecht…"

1999 "Anno 1525 - Bauernkrieg im Allgäu"

Spielleiter: Hanns Schuschnig.
Schirmherr: Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber.

Nahezu 70.000 Zuschauer besuchen von Anfang Juli bis Ende August 1999 die insgesamt 28 Aufführungen des "Bauernkrieg im Allgäu" und finden erstmals unter der neu errichteten Tribünenanlage Platz. Mit einem Aufgebot von 500 Darstellern, 30 Pferden, Wagen, Kutschen, Kanonen, mehreren musikalischen Formationen, Gauklern und vielen anderen Überraschungen fangen die Altusrieder Freilichtspieler die Stimmung des Bauernkrieges ein und ziehen das Publikum in ihren Bann.

In enger Anlehnung an die geschichtlichen Tatsachen verfolgt die Handlung das Geschick des Aufstandes der Allgäuer Bauern unter der Führung des "Knopf von Leubas" gegen die Ungerechtigkeiten und Schikanen ihrer Landherren: Der Bruch der Bauern mit Adel und Klerus; Belagerung und Sturm der Burg Liebenthann; Gründung des "Schwäbischen Bundes"; Konfrontation der Bauern mit dem Truchseß von Waldburg; die große Schlacht bei Leubas und die darauf folgenden Ereignisse. Eingebettet in die Handlung tauchen Persönlichkeiten der Geschichte auf wie die Aufständischen Walter Bach oder Martin Waibel (der "Vater der Landsknechte"), Jörg von Frundsberg, Kanzler Eck, Henker Aichelin - vor allem aber die tragische Figur des Jörg Schmied, genannt Knopf von Leubas, mit dessen Schicksal sich das Los tausender und abertausender von Bauern identifiziert.

2002 "Wilhelm Tell"

Spielleiter: Jan Burdinski.
Schirmherr: Altbundespräsident Prof. Dr. Roman Herzog.

Schon im Jahr der Uraufführung, 1804, war Schillers "Wilhelm Tell" ein grandioser Erfolg und noch immer zählt er zu den klassischen Repertoire-Stücken in aller Welt. Die Menschen- und Freiheitsrechte wurden vom Dichter auf solch beeindruckende Weise darin veranschaulicht, dass sich die Zeitgenossen seinem gedanklichen Begeisterungsausflug kaum entziehen konnten. Den Altusrieder Akteuren gelingt es von Mitte Juni bis Ende August 2002, auch das Publikum unserer Zeit mit diesem großen Werk zu fesseln und den authentischen Geist der demokratischen Aufbruchstimmung des früheren 19. Jahrhunderts aufleben zu lassen.

Bereits im Jahre 1802 fasste Schiller den Plan zum "Tell" und genau 200 Jahre später startet die Marktgemeinde Altusried ihre Neuinszenierung und wirft dazu ihre profunden Erfahrungen in Sachen Freilichtspiel und Theater sowie ihr hohes spielerisches Engagement und Vermögen in die Waagschale. Goethe lobte Schillers Arbeit einst als Meisterwerk "aus einem Guss" und dieses Ziel verfolgen auch die Altusrieder - mit Erfolg! Regie, Bühnen- und Kostümbild, die Neu-Komposition der Bühnenmusik und das szenische Spiel der 500 Darsteller vereinigen sich zu einem spannenden Freilicht-Theaterabend, der für das Publikum die Streitfrage der Gelehrten, ob Wilhelm Tell nun wirklich gelebt hat, oder ob seine Gestalt "nur" der Sage und dem Mythos zuzuordnen ist, vergessen macht.

2005 "Die Jungfrau von Orleans"

Spielleiter: Ulrich Schwab.
Schirmherr: Bayer. Staatsminister Dr. Thomas Goppel.

Das Freilichtspiel 2005 ist ein ganz besonderes in der Freilichtspiel-Historie: Erstmals seit 1986 wird mit der romantischen Tragödie "Die Jungfrau von Orleans" ein neues Stück in das Repertoire aufgenommen. Untreu werden sich die Altusrieder damit allerdings nicht, denn das Streben nach Freiheit und der Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung als der rote Faden, der alle Altusrieder Freilichtspiele miteinander verbindet, spielt auch in Schillers Werk eine zentrale Rolle. Neu ist bei dieser Aufführung auch, dass sich gleich drei Darstellerinnen abwechselnd die Hauptrolle teilen.

Bei den Zuschauern kommt die Inszenierung gut an, rund 70.000 Besucher verfolgen die spektakulären Massenszenen mit einem Riesengelage bei Musik und Tanz, drei große Schlachten, die Erstürmung einer gigantischen mittelalterlichen Stadtmauer und nicht zuletzt eine unterhaltsame, packende Geschichte um Liebe, Fanatismus, Freiheitskampf und Tod.

Weitere Informationen und Fotos auf unserer Sonderseite.

2009 "Andreas Hofer"

Spielleiter: Thomas Bayer.

Die Geschichte um den Tiroler Volkshelden ist eines der populärsten Stücke im Repertoire der Allgäuer Freilichtbühne. Erstmals führte Andreas Hofer bei den Freilichtspielen des Jahres 1911 seine Landsleute in den Befreiungskriegen gegen Napoleon an. In den Jahren 1931, 1933, 1959, 1977 und 1995 rollte er erneut das Tiroler Banner aus und kämpfte für die Freiheit seines Landes.

Die Zuschauer tauchen in die historischen Ereignisse von vor 200 Jahren ein. Die neue Inszenierung des Stückes zeigt das Leben eines einfachen Mannes, dessen Opfer beispielhaft für die Verteidigung der eigenen christlichen und kulturellen Identität und Werte in einer Staatengemeinschaft ist. Daher bleibt die Figur des "Andreas Hofer", des Sandwirts vom Passeiertal, immer aktuell.

Das komplett von Spielleiter Thomas Bayer überarbeitete Stück kommt in einer beeindruckenden Inszenierung mit neuer Bühnenmusik, historischen Kostümen, eindrucksvollen Szenen und der berühmten Berg-Isel-Schlacht auf die Freilichtbühne. Ein unvergessliches Kulturereignis, das rund 65.000 Besucher in seinen Bann zieht.

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2013 "Don Quijote"

Spielleiter: Jan Burdinski
Schirmherr: Landrat Gebhard Kaiser

Mit "Don Quijote", dem berühmten Roman von Miguel de Cervantes Saavedra, wird im Jahr 2013 ein neues Stück in das Repertoire der traditionellen Altusrieder Freilichtspiele aufgenommen. 500 Mitwirkende erwecken in originalgetreuen und farbenfrohen Kostümen zusammen mit einem aufwändigen Bühnenbild das Spanien des frühen 17. Jahrhunderts zum Leben, in dem Don Quijote von La Mancha und sein treuer Schildknappe Sancho Pansa zahlreiche Abenteuer bestehen müssen. 

Der "Ritter von der traurigen Gestalt" hat sich dem Kampf um Gerechtigkeit sowie der Suche nach seiner Herzensdame Dulzinea von Toboso verschrieben. Neben dem Kampf gegen die Windmühlen bleiben viele weitere dramatische und komische Szenen in Erinnerung, wie die Befreiung der Galeerensträflinge, das Duell mit dem Spiegelritter und die Turbulenzen und Verwicklungen bei einer großen Bauernhochzeit.  

Die Theaterfassung des Regisseurs Jan Burdinski ist auf die Spielbegeisterung und das hohe Niveau der Altusrieder Schauspieler, Sänger, Tänzer und Musiker zugeschnitten. Das eindrucksvolle Festspiel-Gelände präsentiert sich als idealer Spielort für das Stück, bietet es doch für die zahlreichen Einzelepisoden und die großen Massenszenen eine abwechslungsreiche Kulisse.

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2016 "Robin Hood"

Wie schon beim letzten großen Freilichtspiel findet auch im Jahr 2016 ein neuer Held Einzug auf die Freilichtbühne, der zugleich bei Jung und Alt wohlbekannt ist. Die Rede ist natürlich von Robin Hood, dem Rächer der Armen, König der Bogenschützen, Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit. Zahlreiche Geschichten, Lieder und Mythen erzählen vom berühmten Helden in Strumpfhosen, der mit seiner Bande im Sherwood Forrest lebt und mit Witz, Charme und Mut der herrschenden Obrigkeit entgegen tritt.

Die Legende von Robin Hood wird von 400 Altusriederinnen und Altusriedern mit vereinten Kräften, großer Spielfreude und Theaterliebe temporeich erzählt: Mit bunten Massenbildern, u.a. ein mittelalterlicher Markt, actiongeladenen Szenen – ein großes Bogenschuss-Turnier, waghalsige Überfälle, Pferderennen und eine Feuersbrunst – und humorvollen Dialogen. Eine kämpferische Lady Marian, eine fast geglückte Hochzeit und ein Barde, der nicht singen darf, sorgen für Romantik und Turbulenzen. Und natürlich darf auch der berühmte Kampf auf dem Baumstamm mit Little John nicht fehlen.

Sowohl das Stück als auch die Live-Musik des 30-köpfigen Orchesters wurden eigens für Altusried geschrieben. Die zeitlose Geschichte von Armen und Reichen, von Recht und Gerechtigkeit und vom Glauben an eine bessere Welt stellt die Protagonisten vor Fragen, die auf die ein oder andere Weise auch heute noch aktuell sind: Für was lohnt es sich, zu kämpfen? Was heißt es, das Wenige, das man hat, zu teilen? Wie wollen wir leben? Welche Gesellschaft wollen wir sein?

Die Zuschauerresonanz ist enorm: 63.000 Besucher und eine Auslastung von 95 Prozent machen Robin Hood zu einem der erfolgreichsten Freilichtspiele.

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